Risiken des Kapitalmarktes

Investieren kann lohnend sein, ist jedoch nicht ohne Risiko. Bevor du damit beginnst, gibt es eine Reihe von Faktoren, die du beachten solltest.

Aktien

Wenn du eine Aktie kaufst, passiert etwas grundlegend anderes als beim Kauf einer Kryptowährung. Du wettest nicht einfach auf eine steigende Kurve auf einem Bildschirm, sondern du wirst über Nacht zum Miteigentümer eines echten Unternehmens. Das ist der entscheidende Punkt, den du verinnerlichen musst: Hinter jeder Aktie stehen Menschen, die morgens zur Arbeit gehen, Maschinen, die Produkte herstellen, und Dienstleistungen, die verkauft werden. Egal ob du Anteile an einem Tech-Giganten, einem Nahrungsmittelhersteller oder einem Automobilkonzern hältst – dein Geld arbeitet in der realen Wirtschaft. Wenn das Unternehmen Gewinne erwirtschaftet, gehört ein winziger Teil davon dir, entweder durch steigende Kurse oder durch direkte Auszahlungen, die sogenannten Dividenden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Aktien risikofrei sind. Auch hier gibt es keine Garantien, und die Kurse bewegen sich selten linear nach oben. Es ist völlig normal, dass Märkte atmen; sie schwanken. Krisen, Kriege, Zinsänderungen oder einfach schlechte Quartalszahlen können dafür sorgen, dass dein Depot zeitweise tiefrot leuchtet. Doch im Gegensatz zu vielen Kryptowährungen, die oft keinen inneren Wert haben und theoretisch wertlos werden können, wenn das Interesse schwindet, behält ein solides Unternehmen seine Substanz. Selbst wenn der Aktienkurs fällt, besitzt die Firma weiterhin ihre Fabriken, Patente und Kundenbeziehungen. Der Marktpreis mag schwanken, aber der innere Wert verpufft nicht einfach über Nacht.

Ein riesiges Risiko gehst du allerdings ein, wenn du alles auf eine Karte setzt. Kaufst du nur eine einzige Aktie, hast du das sogenannte Einzelwertrisiko. Geht genau diese Firma pleite – so wie es bei Wirecard passiert ist –, ist dein Geld weg. Deshalb ist die wichtigste Regel am Aktienmarkt die breite Streuung. Wenn du dein Geld über hunderte oder tausende von Unternehmen weltweit verteilst (zum Beispiel über einen ETF), eliminierst du das Risiko des Totalverlusts fast vollständig. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass die gesamte Weltwirtschaft gleichzeitig auf Null fällt und nie wieder aufsteht.

Aktien sind also weniger ein Casinobesuch, sondern eher ein Marathonlauf. Sie sind ein Instrument für den langfristigen Vermögensaufbau, nicht für das schnelle Reichwerden über Nacht. Du wirst für deine Geduld und deine Bereitschaft bezahlt, Schwankungen auszusitzen. Während Krypto oft von Hype und Hoffnung getrieben wird, basieren Aktienkurse langfristig auf der Produktivität und Innovationskraft der Menschheit. Wenn du Aktien kaufst, wettest du im Grunde darauf, dass die Weltwirtschaft morgen und in zehn Jahren noch produktiv sein wird – und das ist historisch gesehen eine der sichersten Wetten, die du eingehen kannst.

ETFs (Exchange Traded Fund)

Die Grundidee ist so simpel wie genial: Anstatt mühsam zu versuchen, die "Gewinner-Aktien" von morgen zu finden – was selbst Profis oft nicht schaffen –, kaufst du einfach den gesamten Markt. Stell dir einen ETF wie einen großen Einkaufskorb vor. Anstatt nur Äpfel oder nur Birnen hineinzulegen und zu hoffen, dass diese eine Sorte nicht faulig wird, kaufst du mit einem einzigen Klick eine Mischung aus tausenden verschiedenen Früchten. Geht eine Sorte kaputt, fällt das im Gesamtgewicht des Korbes kaum auf. Du musst dich nicht mehr ärgern, wenn eine einzelne Firma schlechte Zahlen liefert, denn gleichzeitig gibt es hunderte andere in deinem Korb, die gerade Gewinne machen.

Das Besondere an ETFs ist, dass sie meistens keine teuren Fondsmanager brauchen, die versuchen, schlauer als der Markt zu sein. Stattdessen folgen sie stur einem Index, also einer festen Liste von Unternehmen. Der bekannteste ist wohl der "MSCI World". Wenn du einen ETF auf diesen Index kaufst, beteiligst du dich automatisch an über 1.400 der größten Unternehmen aus 23 Industrieländern. Du besitzt dann zeitgleich winzige Anteile an Apple, Microsoft, Nestlé, Toyota und vielen mehr. Das macht ETFs extrem kostengünstig, weil keine hohen Gehäler für Analysten bezahlt werden müssen. Die Gebühren fressen also nicht deine Rendite auf, was über Jahre hinweg einen gewaltigen Unterschied auf deinem Konto macht.

Für dich bedeutet das vor allem eins: Ruhe. Ein breit gestreuter ETF ist die ultimative "Schlaftablette" für dein Depot. Du musst keine Nachrichten verfolgen, keine Bilanzen lesen und nicht ständig hektisch kaufen oder verkaufen. Du profitierst einfach davon, dass die Weltwirtschaft langfristig wächst. Natürlich schwankt auch ein ETF, wenn die Börsenkurse weltweit nachgeben – davor bist du nicht geschützt. Aber das Risiko eines Totalverlusts ist praktisch ausgeschlossen, solange nicht der globale Kapitalismus als Ganzes zusammenbricht. ETFs machen das Investieren demokratisch und einfach: Du brauchst kein Vermögen, um zu starten, sondern kannst oft schon mit kleinen monatlichen Sparraten am Erfolg der größten Unternehmen der Welt teilhaben. Es ist der Weg, langsam, aber dafür mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit vermögend zu werden.