Kennzahlen


Bewertung & Substanz
Kennzahlen sind quantitative Messgrößen, die verwendet werden, um die wirtschaftliche Lage, Leistungsfähigkeit oder Bewertung eines Unternehmens zu beurteilen. Sie fassen komplexe Informationen aus Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen oder dem Aktienkurs in leicht verständliche Größen zusammen. Durch Kennzahlen können Investoren, Analysten und Manager Unternehmen vergleichen, Entwicklungen beobachten und Entscheidungen fundiert treffen.
Beispiele für solche Kennzahlen sind das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das die Bewertung einer Aktie im Verhältnis zum Gewinn zeigt, oder die Eigenkapitalrendite (ROE), die angibt, wie effizient ein Unternehmen das Kapital seiner Eigentümer einsetzt. Kennzahlen lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen, wie etwa Profitabilität, Liquidität, Verschuldung oder Marktbewertung, und sind ein unverzichtbares Werkzeug, um die finanzielle Gesundheit und Perspektiven eines Unternehmens schnell und objektiv einzuschätzen.
Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) / P/E Ratio
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist eine Kennzahl zur Bewertung von Aktien. Es berechnet sich aus dem aktuellen Aktienkurs dividiert durch den Gewinn je Aktie und zeigt damit, wie viel Anleger bereit sind zu zahlen, um einen Euro Gewinn des Unternehmens zu erwerben. Ein hohes KGV weist darauf hin, dass die Aktie im Verhältnis zum Gewinn teuer erscheint oder dass der Markt starkes zukünftiges Wachstum erwartet. Ein niedriges KGV deutet hingegen darauf hin, dass die Aktie vergleichsweise günstig bewertet ist oder dass geringe Wachstumsaussichten beziehungsweise höhere Risiken angenommen werden. Das KGV wird häufig genutzt, um Unternehmen innerhalb derselben Branche miteinander zu vergleichen und eine erste Einschätzung darüber zu gewinnen, ob eine Aktie eher unter- oder überbewertet ist.
Niedriges KGV (< 15): Aktie gilt oft als günstig (Value-Aktie), kann aber auch auf Probleme hindeuten.
Hohes KGV (> 20-25): Der Markt erwartet starkes Wachstum in der Zukunft (Growth-Aktie).
Wichtig: Vergleiche das KGV immer nur mit Unternehmen aus derselben Branche!
Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) / P/S Ratio
Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV), auch Price-to-Sales Ratio (P/S Ratio) genannt, ist eine Kennzahl, die den Börsenwert eines Unternehmens ins Verhältnis zu seinem Umsatz setzt. Es wird berechnet, indem die Marktkapitalisierung oder der Aktienkurs durch den Umsatz beziehungsweise den Umsatz je Aktie geteilt wird. Das KUV zeigt damit, wie hoch ein Unternehmen im Vergleich zu seinen erzielten Einnahmen bewertet ist. Ein niedriges KUV kann darauf hinweisen, dass eine Aktie im Verhältnis zum Umsatz günstig erscheint oder vom Markt unterschätzt wird, während ein hohes KUV nahelegt, dass Anleger dem Unternehmen starkes Wachstum oder hohe zukünftige Margen zutrauen. Besonders sinnvoll ist die Kennzahl bei Firmen, die noch keine Gewinne erzielen, weshalb sie häufig bei jungen Wachstumsunternehmen oder in margenarmen Branchen verwendet wird.
PEG-Ratio (Price/Earnings to Growth)
Das PEG-Ratio (Price/Earnings to Growth) ist eine Bewertungskennzahl, die das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in Beziehung zum Gewinnwachstum eines Unternehmens setzt. Es dient dazu, die Bewertung einer Aktie um den Faktor Wachstum zu bereinigen. Berechnet wird es, indem man das KGV durch die erwartete jährliche Gewinnwachstumsrate dividiert.
Ein PEG von 1 gilt oft als fair bewertet, da der Preis der Aktie dann ungefähr dem erwarteten Wachstum entspricht. Ein PEG unter 1 kann darauf hindeuten, dass die Aktie im Verhältnis zu ihrem Wachstum günstig ist, während ein PEG über 1 nahelegt, dass sie teurer bewertet ist oder die Erwartungen an das Gewinnwachstum sehr hoch sind. Das PEG-Ratio ist besonders hilfreich, um schnell wachsende Unternehmen objektiver zu vergleichen, bei denen das KGV allein wenig Aussagekraft bietet.
Eigenkapitalrendite (ROE - Return on Equity)
Die Eigenkapitalrendite (Return on Equity, ROE) misst, wie profitabel ein Unternehmen im Verhältnis zu seinem eingesetzten Eigenkapital arbeitet. Sie zeigt also, wie viel Gewinn ein Unternehmen mit dem Kapital erwirtschaftet, das die Eigentümer (Aktionäre) zur Verfügung gestellt haben. Berechnet wird die Kennzahl, indem man den Jahresüberschuss durch das durchschnittliche Eigenkapital teilt.
Ein hoher ROE deutet darauf hin, dass das Unternehmen effizient mit dem Eigenkapital umgeht und daraus überdurchschnittlich viel Gewinn generiert. Ein niedriger ROE kann auf geringere Profitabilität, hohe Kapitalbindung oder eine schwächere Wettbewerbsposition hinweisen. Die Kennzahl eignet sich besonders gut, um Unternehmen innerhalb derselben Branche zu vergleichen, da unterschiedliche Geschäftsmodelle stark variierende Kapitalstrukturen aufweisen können.
Verschuldungsgrad (Debt-to-Equity)
Der Verschuldungsgrad (engl. Debt-to-Equity Ratio) zeigt das Verhältnis zwischen dem Fremdkapital und dem Eigenkapital eines Unternehmens. Er gibt an, wie stark ein Unternehmen durch Schulden finanziert ist und wie viel finanzielles Risiko damit verbunden sein könnte. Berechnet wird er, indem man das gesamte Fremdkapital durch das Eigenkapital teilt.
Ein hoher Verschuldungsgrad bedeutet, dass ein Unternehmen stark kreditfinanziert ist, was bei wirtschaftlichen Schwankungen zu höheren Risiken führen kann, da Zins- und Tilgungsverpflichtungen bestehen. Gleichzeitig kann eine höhere Verschuldung sinnvoll sein, wenn sie gezielt zur Finanzierung von Wachstum genutzt wird. Ein niedriger Verschuldungsgrad weist darauf hin, dass ein Unternehmen solide mit Eigenkapital ausgestattet ist und geringere finanzielle Risiken trägt. Die Kennzahl eignet sich insbesondere dazu, die finanzielle Stabilität eines Unternehmens sowie dessen Fähigkeit zur Bedienung von Schulden einzuschätzen.
